Top5 Fragen – Online-Shop erstellen

Viele Unternehmen sehen sich früher oder später mit der Frage konfrontiert, ob man eigene Produkte in einem eigenen Onlineshop vertreiben sollte. Diese, häufig kleinen Unternehmen, treten an mich mit vielen Fragen heran. Damit sind sie schon mal besser als viele andere Shops, die völlig ohne Grundüberlegungen einen Shop programmieren und einrichten lassen, ohne sich über die Konsequenzen auf die eigenen Betriebsabläufe im klaren zu sein.

1) Benötigen wir einen eigenen Onlineshop?

Das ist unweigerlich die erste und grundlegendste Frage. In dem Moment, wo diese Frage aufkommt sind häufig Anfragen von Kunden voraus gegangen, die gern Online bestellen möchten und dann am Telefon zu hören bekommen, dass dies leider noch nicht möglich ist. Die Folge sind wirre, telefonisch aufnotierte Bestellungen, die im schlimmsten Fall auf ein Post-It gekritzelt werden.

Online wurden in Deutschland 2013 gigantische 48,3 Mrd. Euro umgesetzt. Selbst der größte Zweifler und konservative Geschäftsführer kann die Augen davor nicht verschließen, dass die Lichter im Unternehmen langsam verlöschen werden, wenn man die Online-Geschäfte vernachlässigt.

2) Wie erstellt man einen eigenen Shop?

Das kann getrost der kürzeste Absatz der Liste werden. Es gibt unheimlich viele Anbieter von Online-Shop Software. Verfügt man nicht über das Wissen oder Personal diese selbst aufzusetzen, ist man sowieso auf fremde Hilfe angewiesen. Lassen Sie sich von mehreren Firmen beraten, denn erfahrungsgemäß hat sich jede auf ein Shop-System spezialisiert und wird dieses als den Gral verkaufen.

Die gängigsten Lösungen sind derzeit: Magento, Shopware, Oxid, Presta und Gambio.

Fragen Sie sich vor der Beratung selbst:

  • Welchen Umsatz generiere ich derzeit mit meinen Produkten?
  • Wie groß ist der durchschnittliche Warenkorb?
  • Wie viele Produkte/Varianten bieten ich an?
  • Will ich/kann ich meine Produkte selbst versenden?
  • Welche Zahlungsmöglichkeiten kann ich direkt anbieten und welche müssen unbedingt hinzu kommen?

Fragen an den Programmierer:

  • Welche Software empfehlen Sie und warum?
  • Haben Sie bereits Shops mit dieser Software umgesetzt? 
    (vielleicht kann man sogar entlocken welche? >> aufschreiben und später schauen, ob alle gleich aussehen. Oftmals verkaufen Programmierer einmal erstellte Templates immer wieder)
    (notieren und später zuhause nach „Beispiel <Shopsoftware>“ googeln. Schauen Sie sich ein paar damit umgesetzte Varianten an um ein Gefühl für die Unterschiede zu bekommen.
  • Wird der Shop mit wachsen können?
  • Wo sind die Grenzen der eingesetzten Lösung?
  • Wie hoch sind die Kosten für die Erstellung und die laufenden Kosten?
  • Ist der Shop rechtlich auf Deutschland ausgelegt? 
    (gute Firmen sollten nichts anderes vorschlagen, aber die Erfahrung zeigt, dass diese Frage sinnvoll ist!)
  • In welchem Zeitrahmen nach Auftragserteilung wird der Shop umgesetzt? 
    (achten Sie auf konkrete Angaben innerhalb des Angebots – am besten mit zeitlich festgesetzten Teilschritten)

3) Lohnt sich der Aufwand eines eigenen Online-Shops?

Die berühmte Glaskugelfrage. Kein Mensch kann wissen, wie sich die Marktlage entwickelt und ob der Shop genutzt wird. Wer sicher ist ein gutes Produkt verkaufen zu können kann sich auch sicher sein, dass es online gekauft wird – sofern der schicke neue Shop auch gefunden wird.

Richtig gelesen! Nur weil man einen Shop hat, weiß die Welt noch lange nicht, dass es diesen gibt und dass man da einkaufen kann. Wie man genau das erreicht würde Seiten füllen und ist sicher ein weiterer Text wert. Jetzt im Moment dies nur als wichtiger Hinweis, dass die reine Erstellung nur einen Teil der Kosten ausmachen wird. Ich setze für die Kalkulation an, dass Programmierer und Designer nur 1/3 der Kosten ausmachen, die der Betrieb im ersten Jahr kosten wird.

Pauschal lässt sich nicht beantworten, welche weiteren Kosten noch für Marketing, Versandaufbau, Schulungen, Personal, usw. aufkommen werden, da dies immer eine Frage der Konkurrenzsituation ist.

Unseren Kunden raten wir gern zu folgender Faustformel fürs erste Jahr, mit der Sie rechnen sollten:

Onlineshop Erstellungskosten x 3 < Jahresgewinn (jetzt) * 0.2

Ich gehe einfach vom Worst-Case aus und kalkuliere, dass der neue Online-Shop im 1 Jahr (für pessimistische Rechner auch in den ersten 2 Jahren) mindestens 20% des Unternehmensgewinns einspielen sollte. Die dreifachen Erstellungskosten (s.o.) sollten geringer sein, sodass nach 1 (2) Jahren mindestens eine schwarze Null zu verzeichnen ist.

4) Sind wir in der Lage den neuen Online-Shop zu betreiben?

Bitte nicht schüchtern sein! Ein eigener Online-Shop ist etwas tolles und eine Investition in die Zukunft Ihres Unternehmens, doch bitte Starten Sie nur dann, wenn Sie es auch wirklich wollen. Den Shop zu pflegen ist genau so wichtig wie in einem Ladengeschäft Staub zu wischen und die Schaufenster zu putzen.

Seien Sie sich im klaren, welche Prozesse es in Ihrem Unternehmen neu zu verteilen gilt. Der Einfachheit gehe ich davon aus, dass Sie alles selbst abwickeln möchten. Welche Prozesse man leichter und welche man schwerer auslagern kann werde ich in einem späteren Artikel einzeln aufgreifen.

Service – wer etwas verkaufen will muss auch möglichst zeitnah auf Kundenfragen eingehen können. Hier liegt der Schlüssel, ob aus Interessenten auch zufriedene Kunden werden. Ein guter Service kann auch Rücksender zu Stammkunden machen.

Pflege des Shops – idealerweise sollte sich mindestens ein Mitarbeiter gut im neuen Shop auskennen. Es gibt ständig Produkte zu pflegen, Texte zu aktualisieren, neue Bilder einzustellen usw. Dies ist nicht in 10 Minuten gemacht, doch wenn Sie diese Aufgaben ständig an Dienstleistungsunternehmen auslagern, werden nicht nur die Kosten höher sein, sondern Ihr schöner Shop wird von Menschen gepflegt, die sich nicht mit Ihrem Produkt identifizieren.

Buchhaltung – dieser Part ist nicht zwingend mit großem Aufwand verbunden. Für alle Zahlungsmöglichkeiten gibt es heute Dienstleister, die Ihnen in festen Zeitabständen Ihre Einnahmen bequem aufs Konto überweisen. Diesen Service lassen sich diese Unternehmen natürlich gern bezahlen.  Will man zB Zahlungen per Vorauskasse selbst verwalten, kommt man nicht umhin täglich einen Kontoabgleich mit den Bestellungen durchzuführen. Hier sollte man mit den Bestellungen wachsen und erst einmal Kosten sparen.

Versand – hier ist im Vorteil, wer schon über andere Kanäle direkt an Endkunden (B2C) verschickt. Für alle anderen entsteht hier ein täglicher Aufwand abhängig vom Bestellaufkommen. Zusätzlich müssen Dinge wie Versanddienstleister, Versandmaterial und natürlicher zuständiger Mitarbeiter sowie dessen Vertretung im Urlaubs- / Krankheitsfall bedacht werden.

Retouren – wird es leider ebenfalls geben. Auch hier muss ein Mitarbeiter zuständig sein

5) Welche Online-Verkaufsmöglichkeiten und -alternativen gibt es?

Ok, ich glaube es ist aller spätestens jetzt klar, dass das Internet als Vertriebskanal unerlässlich ist. Doch jetzt kommen eigentlich erst die richtige Frage: muss es ein eigener Onlineshop sein? Es gibt es mehrere Möglichkeiten, seine Waren online zu vertreiben und vielleicht ist hier eine Lösung dabei, die Ihnen besser gefällt?

Offizieller Distributor als externer Shop-Partner

Bitte nicht gleich zum nächsten Absatz springen, wenn Sie denken, dass dies für Sie keine Option ist, denn offenbar sind Sie als Leser ja unentschlossen und sollten alle Optionen kennen. Eins sei vorweg gesagt – ein Onlineshop wird, wie  beschrieben, auch einen nicht zu verachtenden Zeit- und Personalaufwand mit sich bringen. Warum also nicht einen Partner suchen, der sich genau auf das spezialisiert hat, was Ihnen fehlt?

Es gibt ständig Unternehmer, die bereits erfolgreich im Internet verkaufen, über ein leistungsfähiges Vertriebs- und Versandnetzwerk verfügen  und die Fühler nach wirklich guten, neuen Produkten ausstrecken um diese zu vertreiben.

Wie findet man einen solchen Partner?

Networking

(c) Stockxpert.com 50850651

Dafür gibt es leider kein Patentrezept, jedoch umso mehr Möglichkeiten:

  • Bestehende Kontakte – dies sollte immer der erste Weg sein. Gehen Sie Ihre Geschäftspartner durch und überlegen sich, ob eine Zusammenarbeit vom Klima her passen könnte. Vernachlässigen Sie erst einmal die Branche der Person, denn wer gut in einem Zweig verkaufen kann, hat häufig auch ein Talent für andere Bereiche.
  • Networking – besuchen Sie Veranstaltungen auf denen sich Unternehmer und Onlinehändler treffen. Knüpfen Sie neue Kontakte und kommen Sie ins Gespräch, selbst wenn man nicht gleich fündig wird, entstehen öfter Weiterempfehlungen als man denkt. Schauen Sie doch zB mal bei Xing vorbei?
  • Messen und Konferenzen – auch hier geht es darum sein Netzwerk zu vergrößern. Denken Sie über Ihren Tellerrand und Ihre Branche hinaus!
  • Direkte Suche – gehen Sie zu Google und suchen nach Franchise Partnern, die nach einem neuen Vertriebsumfeld suchen. Das würde ich jedoch als letzte Möglichkeit empfehlen, immerhin wird ein Partner gesucht, der sehr tief in Ihren Unternehmensstrukturen integriert werden wird. Das „Miteinander gut können“ ist die absolute Basis. Lassen Sie sich nicht von ganz tollen Zahlen und Versprechungen leiten, wenn Ihr Bauch nein sagt! 

B2B Vertrieb

Auch einen Mittelweg gibt es natürlich, indem man den Absatz an Händler verstärkt, die Ihre Produkte auf etablierten Online-Plattformen vertreiben. Dieser hat bevorzugt bereits einen gut laufenden Onlineshop, der Produkte aus verwandten Branchen führt und somit bereits Erfahrung mit ähnliches Produkten hat.

Seien Sie sich jedoch im klaren, dass die höchste Marge dann möglich ist, wenn man direkt an den Endkunden liefert! Besonders wenn die Kalkulation der eigenen Waren so gestellt ist, dass eine Zwischenhändlerebene eingerechnet ist. Der B2B Vertrieb will Ihre Waren mindestens zum Händler-EK beziehen – aufgrund möglicherer höherer Stückzahlen gern auch etwas günstiger.

Na? nicht vielleicht doch ein eigener Shop? 😉

 

Mein Name ist Stephan Schmied und ich bin seit 2006 Inhaber von Diamondweb. Am liebsten beschäftige ich mich mit Online-Marketing und SEO. Ich betreibe seit 2010 mehrere Onlineshops in absoluten Nischenbereichen.